Verkehrsentwicklungsplan in Kassel

Holländische-Straße

Verkehrsentwicklungsplan Kassel 2030 sichert Erreichbarkeit der Stadt und deren hohe Wohn- und Lebensqualität – fünf Bürgerforen im Mai.

Die Stadt Kassel lebt von ihrer guten Erreichbarkeit und ihrer hohen Wohn- und Lebensqualität. Diese in der Zukunft zu verbessern und auszubauen ist das Ziel des Verkehrsentwicklungsplans 2030 (VEP), den die Stadt Kassel derzeit erstellt. In den kommenden Wochen werden bei fünf Bürgerforen die Handlungsfelder und Maßnahmen vorgestellt, mit denen dieses Ziel erreicht werden kann.

„Täglich werden in der Stadt Kassel etwa 3,4 Millionen Kilometer Wegstrecken zurückgelegt, entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto oder mit Bussen und Bahnen“, erklärt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda am Mittwoch in einem Pressegespräch im Rathaus. „Der Verkehrsentwicklungsplan entwirft ein Zukunftsbild für die Mobilität in Kassel und der Region“. Damit werden die strategischen Grundsätze und Leitlinien der Verkehrsentwicklung für die nächsten 15 bis 20 Jahre festgelegt. Vielfältige Herausforderungen werden berücksichtigt, wie beispielsweise die Folgen des demografischen Wandels und die damit verbundenen Chancen zur Entwicklung von Qualität und Effizienz des Verkehrssystems. Auch Veränderungen im Verkehrsverhalten und neue gesellschaftliche und räumliche Rahmenbedingungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Stadtbaurat Nolda: „Ein effizienter und sicherer Verkehr ist Grundlage für die räumliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt“.

Zahlreiche Vorschläge, wie die Stadt Kassel ihr Verkehrssystem in den nächsten 15 bis 20 Jahren weiterentwickeln und die Ziele eines stadtverträglichen Verkehrs erreichen kann, hat Dr. Michael Frehn von der „Planersocietät – Stadtplanung, Verkehrsplanung, Kommunikation“ in Dortmund in den vergangenen Monaten erarbeitet. Seine Vorschläge sehen unter anderem vor:

Zufußgehen soll attraktiver werden
Zufußgehen hat in Kassel eine hohe Bedeutung: 28,5 Prozent aller Wege werden zu Fuß zurückgelegt. Bei den lokalen Bürgerforen im vergangenen Jahr wünschten sich die Bürgerinnen und Bürger vor allem, dass Kreuzungen, Straßen und Plätze attraktiver und fußgängerfreundlicher gestaltet werden sollen. Denn oft wirken gerade die Hauptverkehrsstraßen als Barrieren, die von Fußgängern nicht oder nicht einfach genug überquert werden können. Gerade auf der Ebene der Stadtteile kann erreicht werden, dass noch mehr Wege zu Fuß zurückgelegt werden, wenn die Trennwirkung breiter Straßen reduziert und die Straßen und Plätze freundlicher gestaltet werden. Ziel ist es, den Anteil des Fußverkehrs auf 30 Prozent zu erhöhen.

Qualitätssprung beim Radverkehr
Das Fahrrad wird in Kassel noch vergleichsweise wenig genutzt. Nur 7 Prozent ihrer Wege erledigen die Kasseler mit dem Fahrrad. Durch den Marktboom der Pedelecs/Elektrofahrräder und eine Verbesserung der Radinfrastruktur soll der Wegeanteil des Rades auf 14 Prozent verdoppelt werden. Geplant ist, dass vorhandene Lücken im 90 Kilometer langen Radwegenetz der Stadt geschlossen werden. Zum Beispiel auch, indem Radverkehr über Radfahr- bzw. Schutzstreifen auf der Fahrbahn geführt wird. Kreuzungen sollen so ausgebaut werden, dass sie auch von Fahrradfahrern gut überquert werden können. Zudem sollen zum Beispiel Abstellanlagen für Fahrräder systematisch ausgebaut und das Fahradmietsystem Konrad erhalten und möglichst erweitert werden.

Besonders im Stadt-Umland-Verkehr bieten sich sogenannte Premiumradrouten an. Dies sind möglichst direkt geführte Radverbindungen in der Stadt sowie zwischen Stadt und Umland. Sie sollen das Radfahren im Alltag auch über längere Distanzen attraktiv machen und nehmen vor allem wichtige Pendlerrouten in den Blick (zum Beispiel zwischen Baunatal und Kassel). Premiumradwege zeichnen sich durch hochwertige Merkmale aus, wie zum Beispiel ausreichende Breite, möglichst einen ebenen und gut befahrbaren Belag, konfliktarme Führung und möglichst geringe Wartezeit an Kreuzungen. Sie ermöglichen so hohe Fahrgeschwindigkeiten.

Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver gestalten
Kassel verfügt über ein dichtes Netz von Haltestellen für Busse und Bahnen. Auf den Hauptachsen sorgen die Straßenbahnen für einen qualitativ hochwertigen Verkehr. Am Samstagnachmittag soll das Angebot erweitert werden. Das Busnetz soll so gestaltet werden, dass die Streckenführung und der Fahrtakt auch für die Menschen verständlicher ist, die nur gelegentlich mit dem Bus fahren. Insgesamt ist es das Ziel, den Öffentlichen Personennahverkehr so zu gestalten, dass die Kunden einheitliche Reiseketten haben – unabhängig davon, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit sie mit Bus und Tram fahren. Dazu gehört es auch, Umsteigepunkte zu etablieren und auszubauen.

Autoverkehr verträglicher gestalten
Aufgrund des autogerechten Ausbaus in den 1960/70er Jahren verfügt Kassel über ein gutes und dichtes Hauptverkehrsnetz. Täglich finden in Kassel 460.000 Kfz-Fahrten statt, etwa die Hälfte davon aus bzw. in die Region. 30.000 Fahrten jeden Tag sind reiner Durchgangsverkehr. Weniger Lärm und Abgase, eine dem Stadtverkehr angepasste Geschwindigkeit sowie weniger Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern und weniger Unfälle mit Verletzten und Toten – das sind die Ziele des Verkehrsentwicklungsplanes. Dabei ist aber auch klar: Die Stadt wird auch mit dem Auto weiterhin erreichbar bleiben. Das gilt sowohl für den Wirtschaftsverkehr zu den Betrieben und Firmen in der Stadt, als auch für Berufspendler und Menschen, die zum Einkaufen nach Kassel kommen.

Um diese Ziele zu erreichen sollen unter anderem stark frequentierte Kreuzungen wie zum Beispiel die am Holländischen Platz sowie der Verkehrsfluss auf den Haupteinfallstraßen verbessert werden.

Der Gutachter schlägt für das Hauptverkehrsstraßennetz abschnittsweise bzw. situationsbedingt Tempo 30 vor. Damit könne die Verkehrssicherheit sowie die Wohn- und Lebensqualität erheblich gesteigert werden. Die Zeitverluste, die sich daraus für den Durchgangsverkehr ergeben, betrügen nur wenige Sekunden. So sollte Tempo 30 dort umgesetzt werden, wo eine Lärmwirkung besteht. Denn durch Tempo 30 wird der Lärm gegenüber Tempo 50 fast halbiert. Auch für Abschnitte mit einer hohen Anzahl an Unfällen und in Bereichen mit einer besonders sensiblen Umfeldnutzung wie zum Beispiel Stadtteilzentren und Schulen sollte Tempo 30 gelten. Dies beträffe aber nur etwa 10 Prozent der Hauptverkehrsstraßen. Fast 90 Prozent des Hauptverkehrsstraßennetzes in Kassel sollen auch weiterhin mit Tempo 50 befahrbar sein.

Alle Verkehrsmittel gleichermaßen berücksichtigen
Bislang wurde der Autoverkehr in der Stadt gegenüber den anderen Verkehrsarten deutlich begünstigt. „Im Verkehrsentwicklungsplan 2030 berücksichtigen wir alle Verkehrsmittel gleichermaßen“, erklärt Stadtbaurat Christof Nolda. Mit dem Ziel, die Luftqualität weiter zu steigern und Lärm weiter zu verringern, werde der Autoverkehr kritisch hinterfragt. Durch einzelne Maßnahmen zur Förderung des Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehrs – zum Beispiel vermehrte Mittelinseln oder Fußgängerampeln, Radfahrstreifen auf der Fahrbahn – können sich lokal auch einzelne Einschränkungen im Autoverkehr ergeben. Nolda: „Allerdings werden wir dabei im konkreten Einzelfall die Leistungsfähigkeit und die gute Abwicklung des Verkehrsflusses berücksichtigen“.

Fünf Bürgerinformationen im Mai
Die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Kassel werden in der zweiten Runde der Bürgerforen im Mai 2014 informiert. In fünf stadtteilbezogenen Abendveranstaltungen werden dort die konkreten Maßnahmen vorgestellt und deren weitere Ausgestaltung diskutiert. Bereits in den vergangenen Monaten konnten die Menschen in Kassel aktiv an der Erstellung des Verkehrsentwicklungsplanes mitarbeiten. Die erste Möglichkeit bot sich Ende 2012 im Rahmen einer Auftaktveranstaltung im Rathaus der Stadt Kassel. Es folgten in den Stadtteilen mehrere Bürgerforen, bei denen mehr als 300 Anregungen und Vorschläge aus der Bevölkerung gesammelt und ausgewertet wurden. Ergänzt wird die Bürgerbeteiligung durch eine umfangreiche Kinder- und Jugendbeteiligung unter anderem in Zusammenarbeit mit Kasseler Schulen.

Die Termine der Bürgerforen:

  • Bürgerforum Mitte, 6. Mai 2014, von 18.30 bis 20.30 Uhr, Landeswohlfahrtsverband Hessen – Ständesaal, Ständeplatz 6-10.
  • Bürgerforum Nordwest, 13. Mai 2014 von 18 bis 21 Uhr, Aula des Wilhelmsgymnasiums, Kunoldstraße 51.
  • Bürgerforum Südwest, 15. Mai 2014 von 18bis 21 Uhr, KulturHaus Oberzwehren, Berlitstraße 2.
  • Bürgerforum Südost, 20. Mai 2014 von 18 bis 21 Uhr, Willi-Seidel-Haus, Mühlengasse 1.
  • Bürgerforum Nordost, 21. Mai 2014 von 18.30 bis 21.30 Uhr, Philipp-Scheidemann-Haus, Holländische Straße 74.

(Pressestelle der Stadt Kassel)

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Pin on PinterestShare on LinkedInEmail this to someone

30. April 2014

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort


4 + 7 =

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de